Jörg Fehr (Berlin)
Der folgende Aufsatz beschäftigt sich mit den morpho-phonologischen Problemen, die bei der Bildung der sog. Assimilationsform japanischer Verben (1) auftreten. Im Mittelpunkt stehen dabei die Bildungen mit velar-auslautenden Verbstämmen, die ein phonologisches Verhalten zeigen, das sich grundlegend von dem der übrigen konsonantenfinalen Stämme unterscheidet. Doch differieren die Velar-Stämme in diesem nicht nur im Vergleich zu den anderen Verbstämmen innerhalb der gleichen morphologischen Domäne, sondern auch in unterschiedlichen Wortbildungskontexten.
Es bietet sich daher
an, dieses Phänomen als Testfall für die Beurteilung der Beschreibungsadäquatheit
der Optimality Theory im Bereich der Morpho-Phonologie zu nutzen.
Eine beschreibungsadäquate optimalitätstheoretische Analyse sollte
ein einheitliches Ranking für alle relevanten Wortbildungskontexte
liefern und darüber hinaus dem universalen Anspruch der Optimality
Theory bezüglich der für die Analyse bemühten Beschränkungen
gerecht werden.
1 Einführung
Die japanische Verbflexion wird agglutinativ gebildet, d.h. durch Affigierung voneinander segmentierbarer Funktionswörter, die zur Bezeichnung von Tempus, Aspekt, Modus, Genus Verbi und interpersonalem Bezug dienen. Die Funktionswörter sind morphologisch gesehen Suffixe, die die traditionelle japanische Grammatik unterschiedlichen Wortarten zuordnet. Zu nennen wären da vor allem Hilfsverben, Partikeln und Adjektive.
Der agglutinative Charakter der Flexion wird aber von der sogenannten Assimilationsform (jap. ombinkei) unterlaufen: Diese Flexionsform, an die die Dentalsuffixe -te (daher auch te-Form genannt), -ta, -tara und -tari angeschlossen werden, zeichnet sich durch einige morpho-phonologische Besonderheiten aus, die ihr einen, zumindest tendentiell stammflektierenden Charakter verleihen.
Im allgemeinen unterteilt man die
japanischen Verben nach ihrem Verbstammauslaut in zwei Klassen: konsonantische
und vokalische Verben. Bei der Suffigierung eines konsonantisch
anlautenden Flexionsmorphems an einen konsonantischen Verbstamm, wird normalerweise
ein Vokal zur Einhaltung der Silbenstrukturrestriktionen eingefügt
(epenthetischer Vokal, Sproßvokal). Die traditionelle japanische
Grammatik behandelt diese Stamm+Vokal-Konfigurationen als Stammformen;
unterschiedliche Suffixe wählen beim Anschluß an konsonantische
Verben jeweils unterschiedliche Stammformen, z.B.:(2)
| Stammform | Suffix | Gramm. Funktion des Suffix | ||
| Stamm | Vokal | |||
| Indefinitform | jom- | -a- | -nai
-reru -seru |
Negation
Passiv Kausativ |
| Konjunktionalform | -i- | -masu
-tai +Partik. # |
Interpersonaler Bezug
(hörerbezogen)
Optativ Nominalisierung Koordinativ |
|
| Assimilationsform
(auch: te-Form) |
-te
-ta -tara -tari |
Partizip
Präteritum Konditional (real/hypoth.) Alternativ |
||
| Final-/Attributivform | -u- | #
+N |
Präsens
Attributiv |
|
| Imperativform | -e- | # | Imperativ | |
| Dubitativform | -o- | -u (> o:) | Dubitativ | |
Wie aus der Tabelle ersichtlich wird beim Anschluß der vier Dentalsuffixe -te, -ta, -tara und -tari jedoch kein Vokal zwischen Stamm und Flexionsmorphem eingefügt. Vielmehr treten Assimilations- bzw. Alternationserscheinungen auf, die den Stammauslaut verändern.
Im folgenden versuche ich, diese
Phänomene unter optimalitätstheoretischen Gesichtspunkten zu
analysieren und die damit verbundenen Probleme im Rahmen der Optimality
Theory zu lösen.
Zuvor aber sollen überblicksartig
die für die nachstehenden Analysen relevanten Grundprinzipien und
Beschränkungsfamilien der Optimality Theory skizziert werden.
2 Grundriß der Optimality Theory
Die Optimality Theory (OT) stellt einen deklarativen Grammatikansatz dar: Die Regeln der Grammatik sind Outputfilter, im allgemeinen Wohlgeformtheitsbedingungen oder Beschränkungen (Constraints) genannt, die aus der unendlichen Menge von theoretisch möglichen Oberflächenstrukturen für eine zugrundeliegende Struktur diejenige herausfiltern, die die wenigsten Beschränkungen verletzt. Die OT unterscheidet sich u.a. von anderen beschränkungsbasierenden Ansätzen dadurch, daß ihre Beschränkungen explizit verletzbar (violable) sind. Nach der OT enthält die Universalgrammatik (UG) eine Menge von universalen, sehr allgemeinen und inhärent konfliktären Beschränkungen. Die Grammatik einer Sprache positioniert diese Beschränkungen in einer dominanzhierarchischen Rangfolge (Ranking), d.h., höherrangige Beschränkungen haben absolute Priorität vor niederrangigen. Verletzungen einer Beschränkung in wohlgeformten Strukturen treten nur dann auf, wenn sie die Verletzung einer höherrangigen Beschränkung verhindern. Sprachen unterscheiden sich prinzipiell in ihrem Ranking. Die Oberflächenformen einer gegebenen Sprache sind strukturelle Beschreibungen von Inputs, die optimal in folgendem Sinne sind: Sie erfüllen die universalen Beschränkungen oder, wenn diese Beschränkungen durch einen Input in Konflikt geraten, sie erfüllen so viele höchstrangige Beschränkungen wie möglich (cf. Tesar/Smolensky 1993: 1).
Eine OT-Grammatik besteht aus zwei Komponenten: GEN und H-EVAL. GEN erzeugt für eine gegebene zugrundeliegende Form (lexikalische Form, Input) eine potientiell unbeschränkte Menge möglicher Oberflächenstrukturen (Output), die Kandidatenmenge genannt wird. H-EVAL stellt eine Funktion dar, die aus dieser Kandidatenmenge die optimale(n) Oberflächenstruktur(en) herausfiltert.
GEN ist durch drei Prinzipien gekennzeichnet:
Beschränkungen werden in der Optimality Theory zwei Typen zugeordnet: Markiertheitsbeschränkungen (markedness constraints) und Korrespondenzbeschränkungen (correspondence constraints). Markiertheitsbeschränkungen beurteilen oberflächenstrukturelle Elementtypen hinsichtlich ihres Verbreitungsgrades innerhalb der Menge der natürlichen Sprachen. Sind bestimmte Strukturen in jeder oder sehr vielen menschlichen Sprache aufzufinden (wie z.B. Silben mit konsonantischem Anlaut), so werden sie als unmarkiert betrachtet. Treten sie jedoch nur in einer kleinen Zahl von Sprachen auf, so besitzen derartige Elemente ofensichtlich einen besonderen Status und werden daher als markiert bezeichnet. Markiertheitsbeschränkungen filtern markierte Strukturen aus, präferieren also unmarkierte Strukturen.
Korrespondenzbeschränkungen evaluieren die Abbildungstreue zwischen Elementen verschiedener (lexikalischer Input - oberflächenstruktureller Output) oder gleicher struktureller Ebenen (Output - Output).
Beispiele für Markiertheitsbeschränkungen sind Silbenstrukturbeschränkungen wie Ons ("Jede Silbe hat ein Onset!") und *Coda ("Silben dürfen keine Coda haben!") oder Feature-Markiertheitsbeschränkungen (*Lab, *Dor, *Cor etc.). Sie sind im Gegensatz zu den Korrespondenzbeschränkungen reine Outputfilter, d.h. sie beschränken die Form des Outputs ohne Bezugnahme auf den zugrundeliegenden Input.
Korrespondenzbeschränkungen fallen im allgemeinen unter die folgenden Kategorien (cf. Gilberts/De Hoop 1998: 7f; McCarthy 1996: 3f):
Die Beschränkungen aus der Ident(F)-Familieregieren
dagegen Beziehungen zwischen Segmenten, indem sie Identität der internen
Struktur (der "featural composition" (McCarthy 1996: 4)) von korrespondierenden
Segmenten fordern und so Alternationen, Harmonie und Assimilationen unterbinden.
Nach McCarthy (1996: 4) setzt
Ident(F) segmentale Korrespondenz
voraus, da Features selbst nicht in Korrespondenzbeziehung treten können.
3 OT-Analyse der Assimilationsform
Bei der Flexion der japanischen Verben
mit Hilfe der Dentalsuffixe -te, -ta, -tara und -tari
kommt es zur Bildung von Konsonantenclustern. Diese bestehen entweder aus
einem Nasal in der Coda, gefolgt von einem homoorganischen, stimmhaften
Obstruenten im Onset der folgenden Silbe (wie z.B. bei jon.da) oder
aus einer stimmlosen Geminata (z.B. bei tot.ta). Die Bildung dieser
Cluster wird im allgemeinen als Assimilationsphänomen klassifiziert
(cf. Poser 1986; Itô/Mester 1986: 58f; Itô et al. 1995). Eine
entsprechende Beschreibung, die darauf abhebt, daß der stammauslautende
Konsonant und der silbenanlautende Plosiv des Suffixes bezüglich der
Artikulationsstelle regressiv und hinsichtlich der Stimmhaftigkeit progressiv
assimilieren, erweist sich aber in einigen Fällen als unzureichend.
Man betrachte dazu beispielsweise /job+ta/ > /jon.da/, wo der stammauslautende
Labial zu einem Nasal mutiert, /kaw+ta/ > /kat.ta/ bzw. /hair+ta/ > /hait.ta/,
bei denen sich die inhärente Stimmhaftigkeit des stammauslautenden
Sonoranten nicht auf den suffix-initialen Plosiv ausweitet, /kas+ta/ >
/ka.si.ta/, wo die Assimilation offensichtlich blockiert wird, sowie /kak+ta/
> /kai.ta/ bzw. /kag+ta/ > /kai.da/, deren Velare nicht assimilieren, sondern
durch den hohen vorderen Vokal ersetzt werden:
| Verbparadigma (Tempus) | |||
| Stamm | Präsens | Präteritum | |
| mi | mi.ru | mi.ta | 'sehen' |
| ta.be | ta.be.ru | ta.be.ta | 'essen' |
| jom | jo.mu | jon.da | 'lesen' |
| sin | si.nu | sin.da | 'sterben' |
| job | jo.bu | jon.da | 'rufen' |
| o.jog | o.jo.gu | o.joi.da | 'schwimmen' |
| kak | ka.ku | kai.ta | 'schreiben' |
| ha.nas | ha.na.su | ha.na.si.ta | 'sprechen' |
| mat | ma.tu | mat.ta | 'warten' |
| hair | hai.ru | hait.ta | 'eintreten' |
| kaw | ka.(w)u | kat.ta | 'kaufen' |
Im Gegensatz zu den vokalisch auslautenden
Verbstämmen lassen sich die konsonantisch auslautenden Verbstämme
mit dem Dentalsuffix -ta (zur Bildung des Präteritums) nicht
einfach durch eine Verkettungsoperation verbinden, da hierbei Konsonantencluster
entstünden, die die japanische Phonotaktik nicht zuläßt.
Es wird vielmehr der entsprechende Verbstamm so angepaßt, daß
die resultierende Verbform die entsprechenden Silbenstrukturrestriktionen
respektiert.
3.1 Markiertheitsbeschränkungen
Das Lexikon des Japanischen kann man in vier (McCawley 1968; Itô/Mester 1995) bzw. fünf (Fukazawa et al. 1998) Sublexika (Strata) unterteilen, die auf etymologischer Grundlage benannt sind und unterschiedliche phonologische Charakteristika besitzen. Für das morpho-phonologische Verhalten der japanischen Verben ist das native, sog. Yamato-Stratum zuständig. Lombardi (1998) identifiziert in diesem Zusammenhang die folgenden vier Beschränkungen:
3.2 Korrespondenzbeschränkungen
Die vorgenannten vier Markiertheitsbeschränkungen, die die Struktur japanischer geschlossener Silben restringieren, interagieren mit einer Reihe von Korrespondenzbeschränkungen, von denen aber für den Augenblick nur die folgenden relevant sind (cf. Lombardi 1998):
3.3 Ranking
Nachdem im ersten Analyseschritt
die für das zu behandelnde Phänomen relevanten Beschränkungen
identifiziert und formalisiert worden sind, wird in einem zweiten Schritt
der OT-Analyse das Ranking dieser Beschränkungen bestimmt. Betrachten
wir die folgenden Beispiele:
| Input | Output-Kandidaten |
|
|||
| PNV | CodaCond | NoVoicedGem | *rr/Nr | ||
| /sin+ta/ | |||||
| sidda | * | ||||
| sinta | * | ||||
| sitta | |||||
|
->
|
sinda | ||||
| simba | |||||
| simma | |||||
| sinna | |||||
| /jom+ta/ | |||||
| jomta | * | * | |||
| jomda | * | ||||
| jomba | |||||
|
->
|
jonda | ||||
| jotta | |||||
| jodda | * | ||||
| jonna | |||||
| jomma | |||||
| /job+ta/ | |||||
| jobba | * | ||||
| jobta | * | ||||
| jotta | |||||
| jodda | * | ||||
|
->
|
jonda | ||||
| jomma | |||||
| jonna | |||||
| jomba | |||||
| jonta | * | ||||
| /tor+ta/ | |||||
| torta | * | ||||
|
->
|
totta | ||||
| tonda | |||||
| tomma | |||||
| tonna | |||||
| tomba | |||||
| torra | * | ||||
| tomta | * | * | |||
| tonta | * | ||||
Jedes Sternsymbol in der Tabelle steht für jeweils eine Beschränkungsverletzung. Die Pfeile markieren die korrekte Oberflächenform, während der optimale Kandidatenoutput, der aus dem in der Tabelle dargestellten Ranking resultiert, durch den Fettdruck der Outputform signalisiert wird. Die Dominanzrelation zwischen Beschränkungen wird in den OT-Tabellendarstellungen durch die Reihenfolge der Spalten angezeigt.
Da die vier hier aufgeführten Silbenstrukturbeschränkungen unabhängig voneinander sind und demzufolge auch nicht miteinander konkurrieren, stehen sie in keiner Dominanzrelation zueinander (in den Tabellen üblicherweise durch gestrichelten Spaltenlinien signalisiert, hier aus technischen Gründen nicht darstellbar). Aus der Tabelle wird ersichtlich, daß es mehrere Output-Kandidaten pro Input gibt, die alle vier Silbenstrukturbedingungen erfüllen. Da aber jeweils nur eine Oberflächenform grammatisch ist, müssen noch andere Beschränkungen für die Auswahl relevant sein. Aufgrund der Tatsache, daß alle korrekten Oberflächenformen im Paradigma die obigen Silbenstrukturbeschränkungen respektieren, muß davon ausgegangen werden, daß diese Beschränkungen alle folgenden dominieren, zueinander aber in keiner dominanzhierarchischen Beziehung stehen.
Wie weiter oben bereits erwähnt
sind bei der Bildung der Assimilationsformen im Japanischen neben den vier
Silbenstrukturbeschränkungen auch die ebenfalls oben besprochenen
fünf Korrespondenzbeschränkungen von Bedeutung:
| MaxOnsPlace | MaxVoiceObs | MaxPlace | DepVoice | DepNas | ||
| /jom+ta/ | ||||||
|
->
|
jonda | * | * | |||
| jomba | * | * | * | |||
| jotta | * | |||||
| jomma | * | * | * | |||
| jonna | * | * | ||||
| /sin+ta/ | ||||||
|
->
|
sinda | * | ||||
| simba | * | ** | * | |||
| sitta | ||||||
| simma | * | ** | * | |||
| sinna | * | |||||
| /job+ta/ | ||||||
|
->
|
jonda | * | * | |||
| jotta | * | * | ||||
| jomba | * | * | * | |||
| jomma | * | * | * | ** | ||
| jonna | * | * | ** |
Wie aus der Tabelle ersichtlich, werden MaxOnsPlace und MaxVoiceObs von keiner der korrekten Oberflächenformen verletzt, so daß sie höher in der Rangfolge stehen müssen, als die restlichen Korrespondenzbeschränkungen. Gleichzeitig gibt es aber keine Evidenzen für ein relatives Ranking von MaxOnsPlace und MaxVoiceObs.
Filtert man die Kandidaten aus, die
MaxOnsPlace und MaxVoiceObs verletzen, so ergibt sich folgendes Bild:
| MaxPlace | DepVoice | DepNas | ||
| /jom+ta/ | ||||
|
->
|
jonda | * | * | |
| jotta | * | |||
| jonna | * | * | ||
| /sin+ta/ | ||||
|
->
|
sinda | * | ||
| sitta | ||||
| sinna | * | |||
| /job+ta/ | ||||
|
->
|
jonda | * | * |
Es fällt auf, daß unter
der dargestellten (zufälligen) Rankingannahme zwei der drei korrekten
Oberflächenformen suboptimal sind. Daraus läßt sich schließen,
daß dies nicht das korrekte Ranking sein kann. Eine Änderung
des Rankings allein würde aber auch nicht das korrekte Ergebnis liefern,
da die Form /sitta/, die keine der Beschränkungen verletzt, im Japanischen
ungrammatisch ist. Offensichtlich muß also noch eine weitere Korrespondenzbeschränkung
relevant sein. Die ungrammatischen Formen mit den geringsten Beschränkungsverletzungen
unterscheiden sich von den grammatischen durch das Fehlen des stammauslautenden
Nasals. Es liegt bei ihnen also eine Verletzung der MaxNas-Beschränkung
vor:
| MaxPlace | DepVoice | DepNas | MaxNas | ||||
| /jom+ta/ | |||||||
|
->
|
jonda | * | * | ||||
| jotta | * | * | |||||
| jonna | * | * | |||||
| /sin+ta/ | |||||||
|
->
|
sinda | * | |||||
| sitta | * | ||||||
| sinna | * | ||||||
| /job+ta/ | |||||||
|
->
|
jonda | * | * | ||||
Die Beispiele implizieren dann das folgende Ranking:
/jom+ta/ -> /jonda/: DepNas,MaxNas >> DepVoice >> MaxPlace,
/sin+ta/ -> /sinda/: DepNas, MaxNas >> DepVoice
/job+ta/ -> /jonda/: DepVoice, MaxNas >> MaxPlace, DepNas,
woraus folgt, daß MaxNas >>
DepNas >> DepVoice >> MaxPlace:
| MaxNas | DepNas | DepVoice | MaxPlace | ||
| /jom+ta/ | |||||
|
->
|
jonda | * | * | ||
| jotta | * | * | |||
| jonna | * | * | |||
| /sin+ta/ | |||||
|
->
|
sinda | * | |||
| sitta | * | ||||
| sinna | * | ||||
| /job+ta/ | |||||
|
->
|
jonda | * | * |
Dieses Ergebnis wird auch durch weitere
Beispiele im Verbparadigma bestätigt:
| MaxOnsPlace | MaxVoiceObs | MaxNas | DepNas | DepVoice | MaxPlace | ||
| /tor+ta/ | |||||||
|
->
|
totta | ||||||
| tonda | * | * | |||||
| tomma | * | ** | ** | ||||
| tonna | ** | ||||||
| tomba | * | * | * | ** | |||
| /kaw+ta/ | |||||||
|
->
|
katta | * | |||||
| kanda | * | * | * | ||||
| kamma | * | ** | * | ||||
| kanna | ** | * | |||||
| kamba | * | * | * | * | |||
| /mat+ta/ | |||||||
|
->
|
matta | ||||||
| manda | * | * | |||||
| manna | ** | ||||||
| mamma | * | ** | ** | ||||
| mamba | * | * | * | ** |
Aus diesen Teilanalysen wird ersichtlich, daß die Silbenstrukturbeschränkungen im Yamato-Stratum unter allen Umständen eingehalten werden müssen. Um dies zu erreichen, werden die Place-Spezifikationen der stammauslautenden Konsonanten von den Place-Features des Suffix-Onsets überschrieben (vollständige regressive Assimilation). Verantwortlich dafür ist einerseits die CodaCond, die nur dann eine Coda zuläßt, wenn diese die Place-Spezifikation eines unmittelbar folgenden Onsets übernimmt; andererseits sorgt MaxOnsPlace dafür, daß die Place-Distinktion von Konsonanten in Onsetposition erhalten bleibt, was auch morphologisch von großer Bedeutung ist, da so die Segmentierbarkeit sowohl der verschiedenen Suffixe voneinander als auch der Suffixe vom Stamm sichergestellt ist, was den agglutinativen Charakter der japanischen Morphologie ausmacht.
Da nur bei den Plosiven und Frikativen/Affrikaten
das Feature [voice] distinktiv ist (Nasale und Sonoranten sind inhärent
stimmhaft), die Stimmhaft-stimmlos-Distinktion aber bei den Frikativen
und Affrikaten im Verbalparadigma des modernen Japanisch nicht mehr vorhanden
ist, tragen nur noch die Plosive die distinktive Last dieser Opposition,
was das strikte Einhalten von MaxVoiceObs im phonologischen System des
Japanischen erklärt. Zur Erhaltung einer [voice]-Spezifikation wird
dann auch das Hinzufügen von [nasal] in Kauf genommen (d.h. also eine
Verletzung von DepNas). Da PNV die Stimmhaftigkeit des folgenden Onsets
nach einem Nasal verlangt, wird so das für Obstruenten distinktive
[voice]-Feature in Form eines stimmhaften Suffix-Dentals gerettet, ohne
eine Verletzung von NoVoicedGem zu riskieren.
Die Bewahrung bestimmter Feature-Spezifikationen
vermutete übrigens schon Günther Wenck (1959: 107) als Ursache
für die beschriebenen Lautveränderungen.
Eine ebenso herausragende Stellung
wie das Feature [voice] bei Obstruenten haben offensichtlich auch die Nasale
im Japanischen, die einer vollständigen Assimilation widerstehen,
wie man am Beispiel /sin+ta/ sehen kann.
3.4 Die Problemfälle
Betrachten wir nun die auf einen
velaren Plosiv bzw. alveolaren Frikativ auslautenden Stämme:
| CodaCond | PNV | NoVoicedGem | *rr/Nr | ||
| /kak+ta/ | |||||
|
->
|
kaita | ||||
| /ojog+ta/ | |||||
|
->
|
ojoida | ||||
| /hanas+ta/ | |||||
|
->
|
hanasita |
Die korrekten Präteritumformen
verletzen keine der vier Silbenstrukturbeschränkungen.
| NoCoda | CmplxNuc | ||
| /kak+ta/ | |||
|
->
|
kaita | * | |
| /ojog+ta/ | |||
|
->
|
ojoida | * | |
| /hanas+ta/ | |||
|
->
|
hanasita |
Allerdings ziehen die Diphthonge
in den ersten beiden Formen eine Verletzung der Beschränkung gegen
komplexe Silbenkerne CmplxNuc nach sich. Alle drei Formen halten
die NoCoda-Beschränkung ein. Sowohl CmplxNuc als auch NoCoda haben
aber im Japanischen eine sehr niedrige Priorität, so daß sie
bei den vorangehenden Analysen nicht berücksichtigt werden mußten.
3.4.1 Frikativer Stammauslaut
Der stammfinale Frikativ /s/ unterliegt
keiner Assimilation, was nach Lombardi (1998) auf das Feature [+strident]
zurückzuführen ist: Alle anderen Konsonanten (mit Ausnahme der
Velare) assimilieren hinsichtlich ihrer [Place]-Spezifikation; das Feature
[+cont], das /s/ mit /r/ und /w/ teilt, kann für das abweichende Verhalten
nicht verantwortlich sein, da /r/ und /w/ totaler Assimilation unterliegen.
Daher muß bei [+strident] die Ursache für das Blockieren der
Assimilation gesucht werden. Lombardi (1998: 13) geht daher von einer Max[+strident]-Beschränkung
aus, die relativ höher gerankt sein muß als Dep[Seg], die durch
das Einfügen des /i/-Segments verletzt wird.
| Max[+strident] | Dep[Seg] | ||
| /hanas+ta/ | |||
|
->
|
hanasita | * | |
| hanatta | * |
3.4.2 Velarer Stammauslaut
Anders bei den velar-auslautenden
Verbstämmen: Ihre Präteritumformen sind mit Dep[Seg] kompatibel.
Im Gegensatz zu allen anderen stammauslautenden Obstruenten werden die
Velare jedoch nicht vom folgenden Dental assimiliert, sondern es tritt
regelmäßig der hohe Vokal /i/ an die Stelle der Velare.
Für eine synchrone Analyse
dieser "Metamorphose" gibt es mehrere Alternativen, von denen jedoch keine
das Problem adäquat erfassen kann. Eine naheliegende Möglichkeit
ist die Beschreibung des Phänomens als "Vokalisierung" des velaren
Plosivs (cf. Itô/Mester 1986:58). In diesem Fall würde man aber
eher ein /a/ als ein /i/ anstelle des Velars erwarten, da /i/ keine velare,
sondern eine palatale Artikulation besitzt.
Bei der Beschreibung der Assimilationsformbildung
gingen wir davon aus, daß die Dentalsuffixe direkt an den Verbstamm
angeschlossen werden. Diese Hypothese wird durch die auftretenden Assimilations-
und Alternationsphänomene bestätigt, deren Auftreten nur als
Strategie zur Vermeidung unzulässiger Konsonantencluster erklärt
werden kann.
Bei allen anderen Verbformen befindet
sich zwischen Stamm und Flexionsmorphem ein Vokal, der eine Clusterbildung
verhindert. In diesen Fällen wird entweder eine Suffigierung an eine
der fünf Stammformen angenommen (traditionelle japanische Grammatik),
oder es wird eine der Suffigierung vorausgehende Vokalepenthese zwischen
Stamm und Suffix vermutet (cf. McCawley 1968: 97). Letztere Variante wirft
jedoch wieder andere Probleme auf: eine Analyse in diesem Stil muß
fünf verschiedene epenthetische Vokale annehmen, deren Wahl noch dazu
vom jeweiligen Suffix abhängig ist (4).
Diese Wahl ist darüber hinaus nicht phonologisch bedingt, sondern
rein morphologischer Natur. Eine andere Variante wäre die Annahme
von Suffix-Allomorphen (jeweils ein Allomorph für konsonantische und
vokalische Stämme). Auch dieser Ansatz bringt jedoch keine Lösung
für das /i/-Problem bei der Assimilationsformbildung mit velarem Stammauslaut:
es müßten nämlich speziell für die velaren und frikativen
Stämme Dentalsuffix-Allomorphe mit /i/-Anlaut angenommen werden.
Geht man davon aus, daß die
verschiedenen Suffixe unterschiedliche Stammformen als Basis der Affigierung
fordern, eine Analysevariante, die von einigen Japanologen (z.B. Foljanty/Fukuzawa
1985; Lewin 1975: 106 Fußnote 6) und der trad. japanischen Grammatik
favorisiert wird, so steht eine Erklärung des abweichenden Velar-
und Frikativstammverhaltens aus. Weitere Verwirrung stiftet außerdem
die Tatsache, daß es eine andere morphologische Umgebung gibt, in
der das Auftreten von Velar-Plosiv-Clustern nicht zu einer Vokalisierung
des Velars führt, sondern eine totale Assimilation des Velars mit
dem nachfolgenden Plosiv stattfindet:
| /fuki + tobas/
/hiki + tate/ /hiki + tsure/ /tsuki + dasu/ /tsuki + tatsu/ |
>
> > > > |
/fukitobasu, futtobu/
/hikitateru, hittateru/ /hikitsureru, hittsureru/ /tsukidasu, tsundasu/ /tsukitatsu, tsuttatsu/ |
'wegblasen'
'unterstützen' 'mitnehmen' 'ausstoßen' 'stecken' |
Wie die Beispiele aus Poser (1986)
verdeutlichen, gibt es neben den regulären Verbkompositaformen, die
durch Verkettung einer Konjunktionalform (auf /i/ auslautende Stammform)
mit einer Finalform entstanden sind, auch reduzierte Formen, die Konsonantencluster
aufweisen. Beide Formtypen stehen in freier Variation zueinander, wobei
die Reduktion allerdings als semi-produktiv anzusehen ist (cf. Poser 1986).
Die Bildung der reduzierten Formen erfolgt bei allen Verbstämmen analog
zur Suffigierung der Dentalsuffixe, mit Ausnahme der Stämme mit auslautendem
Velar, der in diesem Fall wie alle anderen Obstruenten totaler Assimilation
unterliegt, so daß
| *fuitobu
*hiitateru *hiitsureru *tsuidasu *tsuitatsu. |
Bei der nicht-reduzierten Komposition wird die erste Komponente, die in der auf /i/ endenden Konjunktionalform steht, mit einem weiteren Verb verkettet. Reduzierte Komposita werden dann durch Synkope des hohen Vokals an der Kompositionsfuge gebildet. Die dabei entstehenden Konsonantencluster unterliegen den bereits ausführlich diskutierten, im Yamato-Lexikonstratum unverletzlichen Silbenstrukturrestriktionen, was sich oberflächenstrukturell durch assimilierte Silbencodas bemerkbar macht. Poser (1986: 172) interpretiert diesen Bildungsprozeß der reduzierten Formen übrigens als Reduktion der Kompositagrenzen zu Morphemgrenzen. Ähnliches ließe sich aus sprachhistorischer Sicht auch für die Assimilationsform annehmen: Alle vier Suffixe lassen sich historisch auf einen gemeinsamen Ursprung zurückführen, nämlich auf das Verbalsuffix -tsu, mit dem im Klassischen Japanisch laut Lewin (1975: 166) der perfektive Aspekt ausgedrückt wurde. Nach Lewin (1975: 87) handelt es sich bei -te um die Konjunktionalform von -tsu, die durch Fusion mit dem Hilfverb der Befindlichkeit ari die Perfektform -tari (/te+ari/ > /tari/) im Klassischen Japanisch bildet, welche wiederum, infolge des Verlusts der Attributivform-Endung -ri und der ausschließlichen Perfekt-Bedeutung im Mitteljapanischen, zur Präteritumform -ta verkürzt wurde, dessen Indefinitform -tara schließlich im modernen Japanisch als Konditionalform dient (cf. Lewin 1975: 163f). So gesehen läßt sich vermuten, daß es sich beim Anschluß der Dentalsuffixe ursprünglich nicht um eine Derivation, sondern eher um eine Komposition handelte. Basis für den Anschluß der Suffixe war wie bei den reduzierten Komposita eine auf /i/ auslautende Verbstammform, die jedoch ihren vokalischen Auslaut verlor und so jene Konsonantencluster erzeugte, die die verschiedenen Assimilationen erst ermöglichten. Günther Wencks Analysen weisen ebenfalls in diese Richtung: er konstatiert in Wenck (1959: 103), daß die beschriebenen Lautveränderungen "grundsätzlich an der Nahtstelle enger Wortverbindungen" auftreten.
Sprachhistorisch kann man also die Herkunft des /i/ bei den Velar- und Frikativstämmen auf den vokalischen Auslaut der Konjunktionalform zurückführen. Synchron ist eine solche Bezugnahme auf die Konjunktionalform jedoch nicht möglich, da sich dann die Frage stellt, wie die /i/-Synkope, die man dann konsequenterweise bei allen nicht-velaren bzw. -frikativen Verbstämmen annehmen müßte, zu erklären ist.
Doch wie läßt sich die Vokalisierung der Velaren und die /i/-Epenthese nach Frikativen synchron im Rahmen der OT erklären? Ein Analyseversuch könnte wie folgt aussehen:
Die beiden hohen Vokale /i/ und /u/
könnte man als Default-Vokale des Japanischen betrachten. Beide wurden
und werden zur Anpassung von Fremdwörtern an die native Silbenstruktur
des Japanischen (d.h. zur Auflösung von im Japanischen nicht zugelassenen
Konsonantenclustern) verwendet:
| /arubaito/
/sutoraiku/ /sutoraiki/ /sutoretti/ |
'Ferienjob' (von dt. Arbeit)
'Strike' (beim Football) 'Streik' 'Stretch' |
Das gilt auch für die einsilbigen,
konsonantisch auslautenden Lehnwörter aus dem Chinesischen, die nach
ihrer Übernahme in den japanischen Wortschatz "sämtlich vokalisch
geöffnet [wurden]" (Lewin 1975: 20):
| /betsu/
/niti/ /gaku/ /seki/ |
'verschieden'
'Sonne' 'Lernen' 'Stein' |
Allerdings scheint in beiden Fällen die Verwendung von /u/ zu überwiegen.
/i/ und /u/ unterliegen im Standard-Japanischen der Devokalisierung (vor stimmlosen Konsonanten, vor /r/ und am Wortende) (cf. Rothaug 1991: 70f; Lewin 1975: 17). Daher kann man sie als unmarkiert betrachten, eine Analyse, die auch durch die Stellung von /u/ und /i/ in der (universalen) Sonoritätshierarchie gestützt wird: da die Zungenhöhe, nicht aber die Zungenlage bei der Sonoritätsbestimmung eine Rolle spielt, sind beide Vokale in dieser Hinsicht in gleichem Maße unmarkiert (cf. Golston 1995: 43).
Doch wie läßt sich dann die Präferenz für /i/ bei der Epenthese erklären?
Markiertheitsbeschränkungen könnten dafür verantwortlich sein: Vokale werden im allgemeinen mit dem Zungenrücken artikuliert, haben also eine dorsale Artikulation. Sie unterscheiden sich aber durch die Zungenhöhe ([high], [low]) und Zungenlage ([back]) sowie durch das Vorhandensein oder Fehlen von Lippenrundung ([round]). Letzteres ist für das Japanische irrelevant, da nicht-distinktiv.
Man könnte sich dann ein Ranking
von drei Feature-Markiertheitsbeschränkungen *High, *Low und *Back
vorstellen, vergleichbar dem der Place-Features *Lab, *Dors, *Cor und *Phar
(cf. Lombardi 1997):
| *Low | *Back | *High | |
| /i/ | * | ||
| /u/ | * | * | |
| /e/ | |||
| /o/ | * | ||
| /a/ | * |
Ein Vorzug von /i/ und /u/ vor /a/ läßt sich nur durch ein Ranking *Low >> *Back, *High erreichen, folglich muß *High am unteren Ende der Dominanzhierarchie stehen und von *Back unmittelbar dominiert werden, da anderenfalls /o/ relativ unmarkiert im Vergleich zu /i/ und /u/ wäre. Doch gleichgültig welche Dominanzrelation zwischen diesen Beschränkungen angenommen wird, der unmarkierte Vokal wäre immer /e/, da er [-low, -high, -back] ist. Statt einer *Back-Beschränkung *Front anzunehmen, führt auch zu keiner befriedigenden Lösung, da dann /o/ aufgrund von [-low, -high, -front] den unmarkierten Vokal darstellen würde.
/e/ und /o/ sind aber hinsichtlich
ihrer Sonorität stärker markiert als /i/ und /u/, so daß
man eine Beschränkung MinSon (Minimale Sonorität) annehmen
kann, die die Vokal-Feature-Beschränkungen dominiert:
| Sonoritätshierarchie der Vokale | ||||||
|
||||||
| (nach Golston 1995: 43) |
| MinSon | *Low | *Back | *High | |
| /i/ | * | |||
| /u/ | * | * | ||
| /e/ | * | |||
| /o/ | * | * | ||
| /a/ | * | * |
/i/ repräsentiert dann den unmarkierten Vokal des Japanischen.
Man muß aber anmerken, daß
diese Analyse der relativen Preferenz des /u/ bei der Silbenstrukturanpassung
von Fremd- und Lehnwörtern widerspricht. Da diese Präferenz jedoch
andere Lexikonstrata betrifft als der hier behandelte Fall, könnte
das Ranking der Beschränkungen *Back und *High in diesen Fällen
umgekehrt sein.
Es ergibt sich dann unter Berücksichtigung
aller relevanten Markiertheits- und Korrespondenzbeschränkungen für
die frikativ- und velar-auslautenden Stämme folgendes (Teil-)Ranking:
| DepNas | DepVoice | Max[+strident] | Dep[Seg] | MaxPlace | CmplxNuc | *Back | ||
| /hanas+ta/ | ||||||||
|
->
|
hanasita | * | ||||||
| hanasuta | * | * | ||||||
| hanatta | * | |||||||
| hanaita | * | * | * | |||||
| hanauta | * | * | * | * | ||||
| /kak+ta/ | ||||||||
| kakita | * | |||||||
| katta | * | |||||||
|
->
|
kaita | * | ||||||
| kauta | * | * | ||||||
| /ojog+ta/ | ||||||||
| ojogita | * | |||||||
|
->
|
ojoida | * | ||||||
| ojouta | * | * | ||||||
| ojonda | * | * |
Dieses Ranking erklärt jedoch
nicht das abweichende Verhalten der Velarstämme bei der Bildung reduzierter
Komposita:
| DepNas | DepVoice | Max[+strident] | Dep[Seg] | MaxPlace | CmplxNuc | *Back | ||
| /hik+ta/ | ||||||||
| hikita | * | |||||||
| hitta | * | |||||||
|
->
|
hiita | * | ||||||
| hiuta | * | * | ||||||
| /hik+tateru/ | ||||||||
| hikitateru | * | |||||||
|
->
|
hittateru | * | ||||||
| hiitateru | * | |||||||
| hiutateru | * | * | ||||||
Wie die Tabelle zeigt, wird bei diesem
Ranking die ungrammatische Form /hiitateru/ statt der korrekten /hikitateru/
präferiert. Eine potentielle Erklärung für das unterschiedliche
Wortbildungsverhalten der Velarstämme läßt sich folgendermaßen
skizzieren: Anders als bei der Assimilationsform muß man bei der
Verbkomposita-Bildung von einer anderen Inputform ausgehen. Anstatt des
Verbstammes wird hier die Konjunktionalform als Input angenommen. Das Ranking
bevorzugt dann die Form, die das zugrundeliegende /i/ der Konjunktionalform
enthält.(5)
| MaxPlace | DepSeg | CmplxNuc | ||
| /hiki+tateru/ | ||||
|
->
|
hikitateru | |||
| hiitateru | * | |||
| hittateru | * | |||
| /hik+ta/ | ||||
| hikita | * | |||
|
->
|
hiita | * | ||
| hitta | * |
Das dargestellte Ranking berücksichtigt jedoch nicht die optionale, reduzierte Kompositaform /hittateru/. Nimmt man für diesen Fall nun an, daß die Bildung nicht auf der Konjunktionalform, sondern auf dem Verbstamm basiert, was durch Posers (1986: 172) Grenzreduktionsthese durchaus gedeckt wäre, so ergibt sich dann wieder das Problem, daß die Form mit vokalisiertem /k/ aufgrund des Rankings, das wir bei der Assimilationsform ermittelt haben, der Form mit assimiliertem Coda-Konsonanten vorgezogen wird; eine Präferenz der (grammatischen) Form des reduzierten Kompositums würde jedoch das umgekehrte Ranking erfordern.
Offensichtlich läßt sich
dieses Problem im Rahmen der OT nicht befriedigend lösen. Ich bezweifle,
daß es sich überhaupt innerhalb einer rein synchronen Analyse
adäquat beschreiben läßt.
Die Problematik zeigt deutlich die
Grenzen, die einer synchronen Analyse, unabhängig vom jeweiligen theoretischen
Rahmenkonzept gesetzt sind.
4 Ergebnis
Die Analyse hat gezeigt, daß der Entwicklungsstand der OT im Bereich der Phonologie weit fortgeschritten ist und ihrem universalen Anspruch dort gerecht wird. Dies gilt offenbar jedoch nicht in diesem Maße für die Behandlung morpho-phonologischer Phänomene. Soweit eine Reduzierung der Problematik auf die prosodische Ebene möglich ist, erzielt man mit einer OT-Analyse befriedigende Ergebnisse. Morphem- oder morphemklassenabhängige phonologische Alternationen entziehen sich jedoch einer adäquaten Beschreibung durch die OT, was auch die Ranking-Paradoxien zeigen, die infolge der Lexikonstratifizierung im Japanischen auftreten und deren Auflösungsansätze (cf. z.B. Fukazawa et al. 1998) zu einer nicht unerheblichen Komplexitätssteigerung dieser Theorie geführt haben.
| (1) | Die Analyse bezieht sich ausschließlich auf das Standardjapanische. Andere Varietäten des Japanischen zeigen bei der Assimilationsformbildung teilweise ein abweichendes Verhalten (cf. Martin 1988: 475ff). |
| (2) | Die Transkription der Beispiele erfolgt nach IPA-SAMPA (cf. http://www.phon.ucl.ac.uk/home/sampa/home.htm). |
| (3) | [voice] und [nasal] werden hier als monovalente Features angesehen. |
| (4) | McCawley nimmt nur zwei epenthetische Vokale an: /a/ beim Anschluß des Negationsmorphems und /i/ beim Anschluß von -masu (Höflichkeit) sowie bei der Verbkomposition. Näheres cf. McCawley (1968: 95f). |
| (5) | Ôno (1978: 200ff) vermutet, daß die Konjunktionalform im Proto-Japanischen durch Verschmelzen des Verbstammes mit einem Suffix -i entstanden ist, das im Altjapanischen zur Nominalisierung diente und formal ein Substantiv darstellt. Dies erklärt die auch im modernen Japanischen zu beobachtende Verwendung der Konjunktionalform als substantiviertes Verb. |
(ROA = Rutgers Optimality Archive: http://ruccs.rutgers.edu/roa.html)
Foljanty, Detlef / Fukuzawa, Hiroomi (1985): Japanisch intensiv II. Hamburg.
Fukazawa, Haruka et al. (1998): "Lexical Stratification and Ranking Invariance in Constraint-based Grammars." Erscheint in: Proceedings of the CLS 34. (ROA-267-0698).
Gilberts, Dicky / De Hoop, Helen (1998): "Conflicting constraints: An introduction to Optimality Theory." Lingua 104: 1-12.
Golston, Chris (1995): Direct OT: Representation as Pure Markedness. Ms. Heinrich Heine Univ. ROA 71-00002.
Itô, Junko / Mester, Armin (1986): "The phonology of voicing in Japanese." Linguistic Inquiry 17: 49-73.
Itô, Junko / Mester, Armin (1995): "Japanese Phonology." In: Goldsmith, John (ed.): The Handbook of Phonological Theory. Oxford: 817-838.
Itô, Junko et al. (1995): "Licensing and Underspecification in Optimality Theory." Linguistic Inquiry 26/4: 571-613.
Lewin, Bruno (1975): Abriß der japanischen Grammatik - auf der Grundlage der klassischen Schriftsprache. Wiesbaden.
Lombardi, Linda (1997): Coronal epenthesis and markedness. Ms. Univ. of Maryland, College Park. ROA-245-0298.
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McCawley, James (1968): The Phonological Component of a Grammar of Japanese. The Hague.
Ôno, Susumu (1978): Nihongo no bumpo o kangaeru (Überlegungen zur japanischen Grammatik). Tôkyô.
Poser, William (1986): "Japanese Evidence Bearing on the Compensatory Lengthening Controversy." In: Wetzels, Leo / Sezer, Engin (eds.): Studies in Compensatory Lengthening. Dordrecht: 167-186.
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Tesar, Bruce / Smolensky, Paul (1993): The Learnability of Optimality Theory: An Algorithm and Some Basic Complexity Results. Ms. University of Colorado at Boulder. ROA-2-0000.
Wenck, Günther (1959): "Zum
sprachgeschichtlichen Begriff der onbin." In: Wenck, Günther:
Pratum
Japanisticum - Exemplifizierender Entwurf einer "Japanistik". Wiesbaden:
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