40 Jahre Partikelforschung/40 Years of Particle Research

Bern, 11.-13. Februar 2009

Abstract


 D. O. Dobrovol’skij/I. B. Levontina (Moskau)
Partikeln im Dialog: russisch-deutsche Äquivalente


Sowohl das Russische als auch das Deutsche verfügen über eine große Anzahl von Partikeln verschiedener Typen, die bei der Gestaltung des Dialogs eine wichtige Rolle spielen (vgl. ведь, же, ну, -ка, ишь, уж, да, вообще u. dgl. im Russischen und denn, doch, ja, mal, halt, na, nun, aber, überhaupt usw. im Deutschen). Die kontrastive Beschreibung der Partikeln stößt auf ernste Schwierigkeiten sowohl wegen der Abstraktheit ihrer Bedeutung als auch wegen ihrer kontextuellen Sensitivität. Als hilfreich erweisen sich dabei Korpora paralleler Texte. Allerdings stellt die Hinwendung zu parallelen Textkorpora nur den ersten Schritt bei der semantischen Analyse dar. Die exakte Analyse der Partikelbedeutung zeigt, dass die zwischensprachliche funktionale Äquivalenz einzelner Partikeln (wie sie z. T. in den deutsch-russischen und russisch-deutschen Wörterbüchern fixiert ist) verschiedene Gründe haben kann. Zum einen basiert sie auf einer weitgehenden Identität der semantischen Struktur der betreffenden Partikeln. Zum anderen resultiert die funktionale Äquivalenz nicht aus der semantischen Nähe, sondern ist auf ähnliche pragmatische Effekte zurückzuführen, die oft einen unterschiedlichen semantischen Ursprung haben.

Als Beispiel für die erstgenannte Äquivalenzart können die Partikeln ja und же in ihrer „intensivierenden“ Bedeutung dienen. Vgl. Du weißt ja… – Ты же знаешь…; Ich hab’s dir ja schon gesagt… – Я же сказал… Die Bedeutung der beiden Partikeln fällt allerdings nicht völlig zusammen. Aus den Bedeutungsunterschieden ergeben sich die entsprechenden pragmatischen Effekte, und zwar wird ja eher als kooperativ und же eher als konfliktträchtig empfunden.

Als Beispiel für die letztgenannte Äquivalenzart dienen die Partikeln -ка und mal. In den Kontexten der Aufforderung fungieren diese Partikeln als funktionale Äquivalente: Скажи-каSag mal, Погляди-ка – Guck mal. Die pragmatischen Effekte, die die funktionale Äquivalenz bestimmen, haben unterschiedliche semantische Quellen. Daher ist die Äquivalenz von mal und -ка nicht in allen Kontexttypen möglich. Vgl. Stell dir mal vor, er hat tatsächlich gewonnen! – Только представь себе, он и вправду выиграл!; Sag doch endlich mal, was los ist! – Да скажи наконец, что случилось! Die Übersetzung mit Hilfe von -ка ist hier nicht möglich; vgl. *Только представь-ка себе…, *Да скажи-ка наконец... etc. Dies gilt auch in umgekehrter Richtung: der Satz Пошел-ка ты отсюда! kann nicht mit *Geh mal weg! ins Deutsche übersetzt werden.
 

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