40 Jahre Partikelforschung/40 Years of Particle Research Bern, 11.-13. Februar 2009 Abstract |
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Josine Schrickx (Amsterdam/München) Die Rolle der lateinischen Partikel nempe in der Interaktion zwischen Sprecher und Adressaten
Nach den meisten Wörter- und Grammatikhandbüchern kennzeichnet nempe den Inhalt eines Satzes als selbstverständlich (z. B. Lewis & Short ‘indeed, certainly, without doubt, to be sure, assuredly’; OLD ‘without doubt, of course, to be sure’). Man würde die Partikel entsprechend unter die epistemischen modalen Partikeln einordnen. Aus einem diskurspragmatischen Blickwinkel betrachtet (vgl. Kroon 1995, 1998) widersprechen einige Eigenschaften der Partikel jedoch einer solchen Interpretation und lassen eine ganz andere Funktion erkennen. Die Interaktion zwischen Sprecher und Adressaten spielt hierbei eine wesentliche Rolle. Dies lässt sich schon daran ablesen, dass nempe vor allem in dialogischen Kontexten begegnet: In Fragen führt es stets eine Reaktion auf etwas ein, was jemand gesagt oder auch getan hat; in Antworten steht es jeweils nach einer Ergänzungsfrage, die der Sprecher sich selbst unmittelbar zuvor gestellt hat, gleichsam als ob der Adressat so hätte antworten wollen. Außerdem steht nempe oft neben interpretierenden Verben (wie dicis ‘du meinst wohl …’) und Verbformen der zweiten Person, die unmittelbar auf die Perspektive des Adressaten eingehen. Nempe drückt demnach nicht eine Gewissheit aus, sondern führt den folgenden propositionalen Inhalt als Meinung des Adressaten vor, als etwas, was dieser hätte sagen oder denken können, d. h. die Partikel legt eine zustimmende Reaktion nahe, was der Sprecher auch dazu einsetzen kann, dem Adressaten seine eigene Sicht zu suggerieren, ohne dass er sich dessen bewusst wird. Literatur:
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