Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Februar 2014

Abstract:


Christiane Andersen
Universität Göteborg, Schweden
Verbform im Sprachkontakt. Entlehnungsformen in der Verbmorphologie russlanddeutscher Varietäten

Ausgehend von einem Korpus des gesprochenen Deutsch um Krasnojarsk, (Sibirien ) und Belegen aus Transkripten deutscher Mischdialekte, gesprochen in deutschen Dörfern in der Altairegion werden einige Vorkommen von verwendeten Verbformen in verbalen Prädikaten etwas eingehender betrachtet. Neben syntaktischen Auffälligkeiten wie V1-Positionen des finiten Verbs in narrativen Deklarativsätzen, Wegfall des Subjektpronomens, Verwendung des Perfekts als (dominante) Vergangenheitsform etc. finden auch eine Reihe von Morphementlehnungen aus dem Russischen statt. Russische Verben werden morphologisch und syntaktisch angepasst:

Jets henze uns kants naies eiwodide
Jetzt haben/3.Ps. Pl. uns ganz Neues eiwodide/Inf. (‚einführen’ aus russ. wwoditj)
‚Jetzt haben sie etwas Neues eingeführt.’

In solchen Vorkommen kann u.a. beobachtet werden, wie lexikalisches (hier Verbstamm) und grammatisches (hier Verbpräfix und Verbsuffix) borrowing vonstatten geht und neue (möglicherweise vereinfachte) Strukturen entstehen: Das hier verwendete Prädikat im Perfekt wird mit haben + Infinitiv gebildet. Regelmäßigkeiten solcher Prozesse sind doch schwer nachzuweisen und noch schwieriger zu erklären. Denn wir haben es hier mit sowohl Besonderheiten der gesprochenen Sprache (Mischdialekte) ohne Bezug zur Standardsprache als auch mit vielfältigen Erscheinungen des Sprachkontakts zu tun. Der Beitrag ist eine erste Bestandsaufnahme und soll zur Diskussion anregen.

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