Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Februar 2014

Abstract:


Olga Baikova
Wjatkaer staatliche Universität für Geisteswissenschaften, Kirov, Russland
Sprachliche Situation der Russlanddeutschen vor der Umsiedlung und nach der Umsiedlung nach Deutschland

Das Kirover Gebiet gehört zu den Gegenden ohne autochthonische deutsche Bevölkerung. Die Russlanddeutschen des Gebiets Kirov, deren Sprachvarietäten zum Objekt der Studie geworden sind, kommen während der Deportationszeit aus ganz unterschiedlichen deutschen Siedlungen der ehemaligen Sowjetunion. Die wichtigsten Herkunfsgebiete sind die ehemalige Republik der Wolgadeutschen und die Ukraine.
Die russlanddeutschen Dialekte in Kirov waren vor den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts kaum erforscht. Es gibt in den letzten 10 Jahren nur einige Untersuchungen von Olga Baikova und von Julia Beresina, in denen die Besonderheiten des Lautsystems der oberdeutschen und niederdeutschen Dialekte in den Siedlungen Sosimskij und Tschernigowskij des Landkreises Werchnekamsk dargestellt werden . In meiner Dissertation mache ich einige wichtige soziolinguistische Bemerkungen, zum Beispiel, dass die Gebrauchssphäre der Mundarten sich auf die Kommunikation in der Familie beschränkt. Es wird auch der heutige sprachliche Zustand der im Kirover Gebiet vorkommenden Mundarten beobachtet. In meiner Monographie über Sprachkontaktforschung werden unter anderem am Beispiel des russlanddeutschen Sprachmaterials Interferenzen mit dem Russischen demonstriert. Man kann in den russlanddeutschen Mundarten auch einige dialektale Merkmale herausfinden, die erhalten geblieben sind.
Die Gewährspersonen der Region Kirov sind Vertreter von zwei Hauptdialektgruppen: den hochdeutschen und niederdeutschen Dialekten. Zur Grunde dieser Klassifikation wurde die Dominierung in ihren Mundarten der hochdeutschen oder niederdeutschen Merkmale gelegt, deren kennzeichnende Unterscheidungsmerkmale in der Phonetik die folgenden sind: Vorhandensein oder Fehlen der zweiten hochdeutschen Verschiebung der Konsonanten im Lautsystem der Dialekte; Fortisation der stimmhaften Konsonanten /b, d, g/ am Wortanfang vor den Vokalen und Sonoren oder Erhaltung der Opposition: stimmhaft/stimmlos; Diphthongierung oder Erhaltung der langen mittelhochdeutschen Vokale: /i/, /ü/, /iu/.
Es sei unterstrichen, dass das erforschte Dialektmaterial einen gemischten Charakter zeigt, das heiβt, die Sprache der Russlanddeutschen Merkmale sowohl der hochdeutschen als auch der niederdeutschen Dialekte enthält. Sogar die entgegensetzten Dialekttypen (Plattdeutsch, Schwäbisch) stellen bestimmte Mischungsmerkmale fest. Diese Mischung kann man in der Abwendung von „der Norm“, die den entsprechenden Dialekttyp charakterisiert, und in der Anpassung an die „mittlere“ Variante bemerken.
Es sei betont, dass diese Merkmale folgerichtig in den deutschen Mundarten der Region Kirov gebraucht werden. In diesem Fall wäre es möglich, diese Sprache als ein System der Systeme zu betrachten, das dort erscheint, wo es zwei Sprachsysteme, das heiβt, zwei Regionaldialekte gibt. Der Vergleich der zwei Systeme gibt uns die Möglichkeit, ein System zu bilden, das die gemeinsamen Merkmale verbindet. Wir vermuten, dass das genannte System ein neuer Dialekt sei, den die Gewährspersonen sprechen.


Baikova Olga (2004), Nemezkije gowory Kirovskoj oblasti i ossobennosti ich vokalisma (Deutsche Mundarten im Gebiet Wjatka und die Besonderheiten ihres Vokalsystems), Kirov.
Beresina Julia (2009), Konsonantism w rechi rossijskich nemzev Kirovskoj oblasti (Das Konsonantensystem in der Rede von Russlanddeutschen im Gebiet Kirov), Kirov
Baikova Olga (2009), Nemezkije ostrownyje dialekty w uslowijach jasykowoj interferenzii (Deutsche Sprachinseldialekte in den Rahmen der Sprachinterferenz), Kirov

zurück zur Vortragsliste/back to list of papers zurück zum Tagungsplan/back to schedule
zurück zur Startseite/home