Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Februar 2014

Abstract:


Susanne Borgwaldt
Universität Siegen, Deutschland
Benennung hybrider Objekte im Sprachvergleich


In Bildbenennungsexperimenten, mit denen Wortbildungskompetenzen im Erstspracherwerb untersucht werden, sehen Kinder Bilder hybrider Objekte, z.B. ein Zelt in Form eines Apfels oder ein Tier, das halb Elefant und halb Fisch ist, und benennen die neuen Objekte (z.B. Clark et al. 1985, Grela et al. 2005). In germanischen Sprachen (z.B. Englisch, Schwedisch, Deutsch) werden solche hybriden Objekte meistens mit N-N-Komposita benannt (Apfelzelt oder Elefantenfisch) und Kinder erwerben die Fähigkeit neue Komposita zu bilden mit zwei bis zweieinhalb Jahren.
Als Teil eines Forschungsvorhabens zu sprachlichen und kognitiven Aspekten der hybriden Objektverarbeitung verwende ich dieses Paradigma, um mithilfe von digital manipuliertem Bildmaterial Wortbildungspräferenzen in typologisch unterschiedlichen Sprachen bei erwachsenen Sprechern zu untersuchen: Bisher wurden Daten von Sprechern des Deutschen, Englischen, Französischen, Ukrainischen, Finnischen, Ungarischen, Türkischen und Bardi (einer bedrohten australischen Sprache) erhoben und ausgewertet (vgl. Borgwaldt & Benczes 2011, Neef & Borgwaldt 2012, Borgwaldt, Kulish & Bose 2012, Bowern & Borgwaldt, in Revision).
In meinem Vortrag möchte ich meine bisherigen Resultate vorstellen und interpretieren. Zu den Wortbildungsmitteln, die in den untersuchten Sprachen vorkamen, gehören zum Beispiel N-N-Komposita, A-N-Komposita, Kontaminationen und Semblativ-Konstruktionen. Da die Forschungsmethode auf Bildmaterial beruht und insofern sprachunabhängig ist, bietet es an, das Paradigma auf weitere Sprachen und Populationen zu erweitern, um sprachspezifische von universellen Effekten zu isolieren und so zu Aussagen allgemeiner Gültigkeit zu gelangen.

Literatur:
Borgwaldt, S., T. Kulish & A. Bose (2012). Ukrainian blends: Elicitation paradigm and structural analysis. In: P. Arnaud, F. Maniez & V. Renner (Hgg.) Cross-disciplinary perspectives on lexical blending. (pp. 75-92). Berlin: De Gruyter.
Borgwaldt, S. & R. Benczes (2011). Word-formation patterns in a cross-linguistic perspective: Testing predictions for novel object naming in Hungarian and German. In: D. Schönefeld (Hrsg.) Converging evidence – Methodological and theoretical issues for linguistic research. (pp. 221-245). Amsterdam: John Benjamins.
Bowern, C. & S. Borgwaldt (in Revision). Novel Object Naming in an Australian Language.
Clark, E., S. Gelman & N. Lane (1985). Compound nouns and category structure in young children. Child Development, 56, 84–94.
Grela, B., W. Snyder & K. Hiramatsu (2005). The production of novel root compounds in children with specific language impairment. Clinical Linguistics & Phonetics, 19, 701–715.
Neef, M. & S. Borgwaldt (2012). Fugenelemente in neugebildeten Nominalkomposita. In: L. Gaeta & B. Schlücker (Hgg.) Das Deutsche als kompositionsfreudige Sprache: Strukturelle Eigenschaften und systembezogene Aspekte. (pp. 27-56). Berlin: De Gruyter.

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