Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Februar 2014

Abstract:


Prof. Dr. Peter Colliander
Wirtschaftsuniversität Kopenhagen / LMU München
Überlegungen zu einer vereinfachten, möglichst synchronen Wortbildungssystematik aus der Sicht des Deutschen als Fremdsprache unter besonderer Berücksichtigung der Komposition

Meine Überlegungen basieren auf langjährigen Erfahrungen mit Germanistikstudenten in Dänemark und Finnland und zum Teil auch in München, die immer weniger diachrone Kenntnisse und entsprechend wachsende Schwierigkeiten mit den traditionellen Wortbil-dungssystematiken haben, die ja recht deutlich auf diachronen Phänomenen basieren. Da-bei bereiten nicht zuletzt die sogenannten Fugenelemente bei Komposita Probleme, und zwar in mehreren Punkten. So ist das „Fugenelement“ bei einer bestimmten ersten Kon-stituente nicht immer konstant (TagØblindheit, Tagebuch, Tageskarte), sein Status in traditio-nellen Wortbildungssystematiken als „Nichtzeichen“ ist problematisch (so wird ein Kompositum wie Tagebuch normalerweise in die drei unmittelbaren Konstituenten tag, e und buch segmentiert, also in zwei sprachliche Zeichen und ein „Nichtzeichen“, was eine „unangenehme“ Mischung ist), und in Fällen wie Mengenlehre ist es nicht eindeutig, ob n oder en als „Fugenelement“ aufzufassen ist (vgl. SchulØtasche). Auch aus kontrastiver Sicht sind die „Fugenelemente“ problematisch. So gibt es auch bei eng verwandten Sprachen wie dem Deutschen und dem Dänischen viele und – wie ich meine – unerklärliche Unterschie-de; vgl. Dt. SportØverein – Dän. sportsforening, aber umgekehrt bei: Dt. Institutsleiter – Dän. institutØleder. In meinem Beitrag werde ich einen Vorschlag unterbreiten, wie man – aus ausschließlich synchroner Sicht – sinnvoller mit den „Fugenelementen“ umgehen, oder besser: wie man sie sozusagen abschaffen kann. Auf die lange geführte Diskussison, ob sich die „Fugenelemente“ als Flexive interpretieren lassen, werde ich nur am Rande eingehen und dabei zur banalen Schlussfolgerung kommen, dass Komposita wie Übungsraum und der „Klassiker“ Bischofskonferenz zeigen, dass das auf jeden Fall nicht immer möglich ist.

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