Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Februar 2014

Abstract:


Grit Nickel
FAU Erlangen-Nürnberg, Deutschland
Gäul-s-bauer, April-s-narr und Getreid-s-gabel. Zur Verwendung und Verbreitung des Fugen-s im Ostfränkischen


Während die Forschung in den vergangenen 15 Jahren große Fortschritte hinsichtlich einer Systematisierung der Fugenelemente der deutschen Standardsprache gemacht hat, so sind Form, Funktion und Distribution der Fugenelemente in den Dialekten noch weitgehend unerforscht. Vor dem Hintergrund der standardsprachlichen Theoriebildung zeigt die korpusbasierte Untersuchung zu den funktionalen Aspekten sowie der diatopischen Verteilung von Fugenelementen und deren Varianz bei N+N-Komposita anhand der Daten des Ostfränkischen Wörterbuchs, dass sich das dialektale Fugensystem im Ostfränkischen von dem der Standardsprache in einigen wesentlichen Punkten unterscheidet.
Das Fugen-s als produktivstes und einziges aus dem Inventar der produktiven Fugenelemente, das auch unparadigmisch auftreten kann, hat im Ostfränkischen ein z.T. vom Standarddeutschen abweichendes Distributionsmuster ausgebildet und erzeugt spezifische Kompositionsstammformen, die als synchrone Erscheinungen eines diachronen Prozesses systematisiert werden. Anhand verschiedener Einzelphänomene (Fugen-s nach Simplizia, nach (nicht-)kontrahiertem Erstglied und nach derivationsmorphologisch komplexem Erstglied) zeigen die Raumbilder der erstellten Sprachkarten eine hohe Varianz der Verfugung wie auch der formalen Mittel, die zur Bildung von Kompositionsstammformen im ostfränkischen Sprachraum genutzt werden.
Aufgrund der Datenlage können im Rahmen dieser Untersuchung jedoch immer nur Tendenzen zu Varianz, Produktivität und diatopischer Verteilung aufgezeigt werden, weshalb sie nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer vollständigen Systematisierung des Fugensystems des ostfränkischen Sprachraums sein kann. Neben der Darstellung der theoretischen Grundlagen, des methodischen Vorgehens und der Untersuchungsergebnisse selbst ist daher notwendigerweise eine kritische Diskussion der Methodik und der Möglichkeiten einer Systematisierung der Nominalmorphologie im Dialekt ebenso zentral.

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