Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Februar 2014

Abstract:


Peter Öhl
BU Wuppertal
Zur Nominalisierung von Partikelverben mit kommen. Ankunft, Übereinkunft, . . . woher kommt eigentlich die 'Auskunft'?


Partikelverben stehen in vielfacher Hinsicht an der Grenze zwischen Morphologie und Syntax. Obgleich syntaktisch trennbar, haben sie eine mit lexiko-semantischen Mitteln beschreibbare Bedeutung, die in vielen Fällen nicht einmal dekomponierbar ist.

(1) a. Der Zug kam pünktlich in Bern an.
b. Sie kamen in dieser Sache überein.

(2) a. ankommen: [[ z.B. +Bewegung, +telisch, . . . ]]; ≠ [[ an]] + [[ kommen]]
b. übereinkommen: [[ z.B. −Bewegung, +telisch . . . ]]; ≠ [[ über]] + [[ ein]] + [[ kommen]]

Somit werden sie oft als lexikalische Einheiten analysiert, deren Transparenz für Wortbildungsprozesse keiner weiteren Erklärung bedürfe. Nominalisierungen sind jedoch auch bei syntaktisch transparenten Partikelverben möglich, deren Partikel für syntaktische Prozesse wie die Vorfeldbesetzung oder separate Modifizierung zugänglich ist.

(3) a. Woher/ Von dort her seid Ihr alle gekommen?
b. Herkunft

Zu diesem Beispiel ist freilich zu sagen, dass die Nominalisierung stark idiomatisiert ist.

(4) Woher kommst Du? – *Meine Herkunft ist gerade Wuppertal.

Viele formal als Partikelverbnominalisierungen erkennbare Bildungen sind demotiviert:

(5) Auskunft, Zukunft, %Hinkunft . . .

Zudem werden die meisten dekomponierbaren Partikelverben ausschließlich als Infinitivbildungen nominalisiert:

(6) a. Viel weiter sind wir leider nicht gekommen.
b. Ein Weiterkommen/ *eine Weiterkunft war unmöglich.

Somit ist es nicht nur naheliegend, dass das nicht mehr produktive Nomen Kunft nur in der Nominalisierung sehr alter und wohl daher oft nicht mehr transparenter Partikelverben vorkommt, sondern auch, dass syntaktisch völlig eigenständige Verpartikeln als resultative sekundäre Prädikate zu analysieren sind, deren Nominalisierung nur in Form von Zusammenrückung mit dem Infinitiv möglich ist. Diese Annahmen werden in diesem Vortrag mithilfe etymologischer und grammatiktheoretischer Methoden überprüft.

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