Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Juni 2014

Abstract:


Klaus Peter
Österreich, Feldkirch
Scheinbar gleich, anscheinend anders: zum Umgang mit Wortbildungsdubletten


Es gibt im Gegenwartsdeutschen eine Reihe von Konkurrenzbildungen wie anscheinend/ scheinbar, Analyst/Analytiker oder abergläubisch/abergläubig, die aufgrund ihrer Eigenschaften als typische sprachliche Zweifelsfälle gelten können (vgl. Klein 2003: 7): Die konkurrierenden Formen zeichnen sich zum einen dadurch aus, dass sie formseitig teilidentisch sind, zum anderen kann es selbst für kompetente Sprecher schwierig sein, funktionale oder semantische Unterschiede zwischen den beiden Formen zu erkennen. Normkodizes tragen diesem Umstand mitunter dadurch Rechnung, dass sie einerseits zwar Bedeutungsunterschiede postulieren, andererseits aber darauf hinweisen, dass "in der Alltagssprache" die beiden Formen aber im gleichen Sinne verwendet werden (so z. B. Duden 2011, s. v. anscheinend/scheinbar).
Im Beitrag soll zum einen mithilfe von Analysen schriftsprachlicher Korpora zu ausgewählten Konkurrenzbildungen der Frage nachgegangen werden, inwiefern sich die in den Normkodizes zu findenden Angaben zu Wortbildungsdubletten im Sprachgebrauch widerspiegeln, zum anderen soll durch Befragungen überprüft werden, inwiefern unter Sprechern ein Bewusstsein dafür vorhanden ist, dass je nach Kontext nur die eine, nur die andere oder beide Varianten verwendet werden können.

Duden (2011): Richtiges und gutes Deutsch. Das Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 7., vollst. überarb. Aufl., hrsg. u. überarb. von der Dudenredaktion. Mannheim/Zürich: Dudenverlag.
Klein, Wolf Peter (2003): "Sprachliche Zweifelsfälle als linguistischer Gegenstand. Zur Einführung in ein vergessenes Thema der Sprachwissenschaft". Linguistik online 16, 4/03: 5–33.

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