Tagung zum Thema Wortbildung /

Conference on word formation


Bern, 5. / 6. Februar 2014

Abstract:


Sibylle Reichel
Universität Bern, Schweiz
Salienz von Helvetismen


Dass das Deutsche eine plurizentrische Sprache ist, zeigt sich unter anderem in Zeitungstexten der verschiedenen Nationen. Nationale Varianten, die in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Luxemburg oder Liechtenstein auftreten, schlagen sich auf allen sprachlichen Ebenen nieder. Viele davon finden sich im Bereich der Wortbildung im weiteren Sinn. Von den verschiedenen Ansätzen, wie die nationalen Varianten identifiziert und auch benannt werden können, ist der wohl bekannteste der von Ammon (2004), der in seinem Variantenwörterbuch nicht nur die Definition und Identifikation von Deutschlandismen, Germani(zi)smen, Teutonismen, Helvetismen, Austriazismen, usw. problematisiert. Ein schwer zu erfassendes Kriterium, an dem man einen Helvetismus erkennen kann, ist unter anderem die Frequenz des Vorkommens bestimmter Formen in einer Region. Beispielsweise ist der Ausdruck „Entscheid“ in allen drei Vollzentren bekannt, jedoch listet ihn Ammon (2004) mit der Bemerkung „CH, A; D selten“. Ebenso wird „allfällig“ in Deutschland und der Schweiz mit unterschiedlicher Häufigkeit, nämlich im Verhältnis von etwa 2:8 (vgl. Walser, Cyrille (2006)) verwendet. Man kann in diesem Fall also von einem sog. Frequenzhelvetismus ausgehen. Auf die Besonderheiten im Zusammenhang mit solcher Häufigkeitsmessung wird im Vortrag kurz eingegangen.
Ein anderes nicht minder schwer zu fassendes Kriterium wäre die Salienz, also die auf der Perzeptionsseite der Sprachbenutzer Aufmerksamkeit erzeugende Besonderheit. Doch wie lässt sich die Salienz messen? Lösungsansätze finden sich im Bereich der Wahrnehmungsdialektologie, die sich unter anderem mit dieser Problematik befasst.
Im Vortrag möchte ich einige Einzelbeobachtungen besprechen, die sich in einer Sammlung von Zeitungsbelegen zeigen, welche ich im Zusammenhang mit meinem Wohnortwechsel in die Schweiz selbst zusammengetragen habe. Die Sammlung belegt einerseits prinzipiell das Vorkommen von Helvetismen und lässt andererseits vorsichtige Rückschlüsse zu, welche Varianten unter welchen Gegebenheiten salient sind. Zur Diskussion soll gestellt werden, ob und in welcher Form ein solches Verfahren im grösseren Rahmen operationalisiert werden könnte, um neue Erkenntnisse zum Variantenbegriff zu erhalten. Andererseits soll überprüft werden, ob eine Präferenz bestimmter Wortbildungsmuster unter den Helvetismen beobachtet werden kann.

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